Potenzial für weiteres Wachstum

Andreas Heyer_Foto_Caspar Sessler_2019.jpgAndreas Heyer

ist Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

Herr Heyer, wie hat sich der Gewerbeimmobilienmarkt 2020 grundsätzlich in Bremen gestaltet – auch mit Blick auf die Pandemie?

Andreas Heyer: Der Bremer Immobilienmarkt ist auch in der Krise nachgefragt. Das zeigen hohe Vermarktungsleistung, rege Bautätigkeit und weiterhin geringe Leerstände. Nach einem äußerst erfolgreichen Jahresstart 2020 wirkte sich die Corona-Pandemie natürlich auf den weiteren Verlauf aus. Aber auch in schwierigen Zeiten beweist Bremen Potenzial für weiteres Wachstum, unter anderem dank starker Branchen wie der Logistik, die ein wesentlicher Motor für Bremens Wirtschaft ist. Das zeigt sich auch in der Krise, wo die systemrelevante Funktion dieses Sektors besonders deutlich wird.

Welche Unterschiede zeigen sich bei Büro-, Logistik- und Einzelhandelsimmobilien?

Nach aktueller Einschätzung liegt der Umsatz für Büroimmobilien unter den momentanen Rahmenbedingungen auf einem konstant hohen Niveau. Bei Logistikimmobilien verzeichnen wir eine niedrige Leerstandquote und einen Anstieg des Flächenbestands auf über drei Millionen Quadratmeter. Der Einzelhandel in Bremen sieht sich wie überall großen Veränderungen gegenüber. Hier ist ein Konsolidierungsprozess spürbar, der aber auch Chancen bietet.

In welchen Bereichen gab es eine Zurückhaltung bezüglich der Vermietungen?

Zurückhaltung stellen wir bei den Einzelhandelsimmobilien fest. In den anderen Bereichen können wir aktuell nichts Derartiges feststellen.

Wie sah es im abgelaufenen Jahr in Sachen Bautätigkeit und Leerstand in den einzelnen Bereichen aus?

In dem Bereich Büroimmobilien lag die Bautätigkeit leicht unterhalb des Vorjahresniveaus, mit rund 43 000 fertiggestellten Quadratmetern aber über den Werten von 2017 und 2018. Die Leerstandsquote liegt um die drei Prozent und damit auf äußerst niedrigem Niveau, freie Flächen werden schnell vom Markt absorbiert. Die Leerstandsquote für Logistikimmobilien liegt auch im deutschlandweiten Vergleich mit 2,1 Prozent ebenfalls auf äußerst niedrigem Niveau. Der Bestand an Logistikhallenflächen in der Stadt Bremen ist im Untersuchungszeitraum auf rund 3,01 Millionen Quadratmeter angewachsen.

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Der Logistiksektor in Bremen sorgt weiter für Aufwind. (Foto: Sebastian Widmann/dpa)

Am schwierigsten war, wie Sie bereits erwähnten, die Situation in den vergangenen Monaten bei den Einzelhandelsimmobilien . . . Was glauben Sie, ist das ein generelles Problem oder hat auch hier die Pandemie den stärksten Einfluss?

Die Auswirkungen der Pandemie werden, zusammen mit dem seit Jahren stetig wachsenden Onlinehandel, den stationären Einzelhandel weiter unter Druck setzen. Besonders in der Bekleidungsbranche gibt es schon länger Umstrukturierungen und Kostenoptimierungen. Wo große Mieter ausziehen, wird die Nachnutzung mitunter schwieriger. Schon vor der Corona-Krise wurde deutlich, dass die Umsatzerwartungen der Händler und die Vorstellungen der Vermieter immer weiter auseinandergehen. Corona hat hier aber auch als Treiber für die Erkenntnis gesorgt, dass Althergebrachtes heute so nicht mehr funktioniert. Neue Ideen und Konzepte stoßen viel schneller auf offene Ohren, Mieten und Laufzeiten von Verträgen passen sich an die aktuelle Entwicklung an. Dies nehmen wir auch in unseren Projekten im Rahmen des Bremer Aktionsprogramms Innenstadt sehr deutlich wahr. Die große Bereitschaft der Eigentümer, hier aktiv mitzuwirken, freut uns sehr.

Gibt es Leuchtturmprojekte, die 2020 herausragten?

Da haben wir zum Beispiel den Neubau der Sparkasse Bremen im Technologiepark oder auch „Die Fabrik“ im Tabakquartier, die von den Nutzerinnen und Nutzern hervorragend angenommen wird. Im GVZ gibt es das Neubauprojekt für den Kontraktlogistiker Fiege und in der Überseestadt das „Weiße Haus“. Zudem gab es wichtige Schritte bei großen Projekten, die im kommenden oder den darauffolgenden Jahren fertiggestellt werden, wie die Entwicklung der Innenstadt und der Überseeinsel oder auch der Europahafenkopf. Diese haben Strahlkraft weit über Bremen hinaus.

Das Gespräch führte Steffi Urban.