Einsatz für die Sicherheit beim Bau

Auch bei den Bauarbeiten für Bürogebäude, Lagerhallen und Einzelhandelsimmobilien in der Region werden immer wieder Kampfmittel oder Teile davon gefunden. Manchmal enthalten diese noch mehrere Kilo Sprengstoff und sind mit einem scharfen Zünder versehen.

Bremen. Wenn die Arbeiten für neue Bürogebäude, Supermärkte, Lagerhallen oder andere Gewerbeimmobilien beginnen, treten auch in Bremen und der Region noch heute immer wieder gefährliche Objekte aus der Vergangenheit zutage. In solchen Fällen werden Warnungen zu Kampfmittelfunden über Zeitungen, Rundfunk, lokale Fernsehsender und Warn-Apps verbreitet. Dann heißt es: „Meiden Sie das betroffene Gebiet.“ Dieses ist weiträumig zu umfahren, während sich die Anwohner auf eine Evakuierung vorbereiten sollten.

Gefahr durch Blindgänger

Wie viele derartige Gefahrenquellen in der Region noch unter der Erde liegen und bei Bauarbeiten gefunden werden könnten – darüber herrscht leider Unklarheit. Nils Matthiesen, Pressesprecher der Polizei Bremen, berichtet: „Briten und Amerikaner haben im Zweiten Weltkrieg 173 Luftangriffe auf Bremen geflogen. Rund 26.000 Tonnen Spreng- und Brandbomben sollen dabei abgeworfen worden sein. Das könnte etwa einer Million Brand- und 100.000 Sprengbomben entsprechen. 13 Prozent der Sprengbomben sollen nicht explodiert sein. Allerdings stammt die Zahl aus der Zeit nach Kriegsende – und sie ist angesichts von mehr als 16.000 entschärften Bomben längst überholt.“ Der Experte schätzt, dass es sich vor allem um Patronen, Granaten oder Bomben handelt, die nicht oder nicht vollständig explodiert sind. „Das können sie aber, wenn dort Bauarbeiten stattfinden. Solche Blindgänger sind auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gefahr.“

Komplexe Verfahren zur Sondierung

Im Falle eines solchen Fundes zeichnen sich je nach Bundesland verschiedene Ansprechpartner zuständig. Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter beim Bau eines Gewerbeobjekts auf eine Bombe stoßen, übernimmt im Land Bremen der Kampfmittelräumdienst der Polizei die entsprechenden Aufgaben. Im Umland ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen der richtige Ansprechpartner.

Doch welche Schritte werden nach einem Kampfmittelfund eigentlich unternommen? Und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um schon weit vor dem Baubeginn für ein neues Gewerbeobjekt das Risiko für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten?

Die zuständigen Stellen begeben sich mit verschiedenen Methoden aktiv auf die Suche, um eventuelle Blindgänger aufzuspüren und so früh wie möglich unschädlich zu machen: „Bei der Suche danach helfen uns Luftbildaufnahmen der Alliierten, die während des Krieges gemacht wurden. Die Alliierten haben von ihren Angriffen Fotos gemacht, die der Bundesrepublik seit 1985 zur Verfügung stehen“, sagt Nils Matthiesen. „Ein Teil dieser Aufnahmen ist eingescannt worden, sie werden mit speziellen Computerprogrammen ausgewertet.“ Die speziellen Verfahren und Arbeitsweisen bei der Kampfmittelsondierung – unter anderem anhand von Verdachtsmomenten aus der Luftbildauswertung – sind komplex, erklärt der Pressesprecher. „Wenn das nicht reicht, suchen wir die Gebiete zusätzlich mit Metalldetektoren ab.“

Bei Verdacht muss geprüft werden

Nachdem eine Absuche nach Kampfmitteln erfolgt ist, muss das Bauunternehmen keinerlei Vorkehrungen treffen. Im Vorfeld ist laut Polizei Bremen allerdings vom jeweiligen Bauherren eine Anfrage bezüglich Kampfmittelverdacht an den Kampfmittelräumdienst zu stellen: „Wenn der Verdacht auf das Vorhandensein von Kampfmitteln vorliegt, muss das Grundstück gemäß den Vorgaben des Kampfmittelräumdienstes untersucht werden.“ Diese Regelung gelte unabhängig davon, ob ein Gewerbe- oder ein Wohnobjekt auf dem Grundstück gebaut werden soll.

Im Falle eines Fundes wird wie folgt vorgegangen: „Grundsätzlich gilt, dass – wenn möglich – Kampfmittel entschärft werden, damit eine sogenannte Transportfähigkeit hergestellt ist. Wenn keine Entschärfung möglich ist, dann muss das Kampfmittel gesprengt werden“, so Nils Matthiesen.

Dass die Untersuchungen und eine gewisse Vorsicht auf den Baustellen auch heute noch wichtig sind, verdeutlichen die Zahlen der Kampfmittelspezialisten aus dem letzten Jahr: „In 2021 mussten im Rahmen von Baumaßnahmen 21 Kampfmittel durch eine Sprengung vor Ort vernichtet werden. Darunter waren zwei englische Bombenblindgänger mit 125 Kilogramm und 250 Kilogramm. Die anderen Kampfmittel waren überwiegend Blindgänger von Artilleriegranaten. Insgesamt wurden 2021 circa 5,5 Tonnen Kampfmittel im Bundesland Bremen beseitigt“, führt der Pressesprecher aus.

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: Heiko Rebsch/DPA)