Immobilien weiterhin attraktiv

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Bremen. Große Investoren wie Banken und Fonds halten Immobilien auch in der Corona-Krise für aussichtsreich. 98 Prozent der Investoren schätzen den deutschen Markt 2021 als attraktiv bis sehr attraktiv ein, zeigte eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft EY. Das liege vor allem daran, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Standorten mehr denn je als „sicherer Hafen“ wahrgenommen werde. Innerhalb von Europa habe der deutsche Markt gewonnen. Zudem rechneten die Befragten mit Nachholeffekten, da in der Pandemie etliche Deals ausfielen.

In Gewerbe- und Wohnimmobilien wurden 2020 auf dem deutschen Immobilienmarkt insgesamt fast 79 Milliarden Euro investiert – 12 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019, so die Analyse. Während der Handel mit Gewerbeimmobilien um 17 Prozent auf 58,6 Milliarden Euro sank, wuchs der Wohnportfoliotransaktionsmarkt mit 8 Prozent auf gut 20 Milliarden Euro. 58 Prozent der Befragten erwarten im neuen Jahr für den Gesamtmarkt eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau.

Die große Mehrheit rechnet ferner damit, dass sich Einzelhandels- und Hotelimmobilien verbilligen. 88 Prozent teilen die Sorge, dass die Umsatzverschiebung zum Online-Handel zu einer weiteren Verödung von Innenstädten führt.

Befragt für die Analyse wurden rund 200 Investoren, darunter Immobilien-AGs, Fonds, Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Wohnungsgesellschaften und Family Offices, die große Privatvermögen betreuen. Sie bilden EY zufolge einen Querschnitt am Markt ab.

Bürovermietung bricht ein – Leerstandswelle bleibt aus

Auch im Bereich der Vermietung gibt es – speziell hinsichtlich der sonst so stabilen Büroimmobilien – gute und schlechte Nachrichten. Im Corona-Jahr 2020 ist die Vermietung von Büroflächen in deutschen Großstädten eingebrochen. Wegen der Unsicherheit in der Pandemie und der schwachen Konjunktur hätten Unternehmen Umzugspläne aufgeschoben oder eine Vertragsverlängerung in bestehenden Flächen angestrebt, teilte der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) letzte Woche in Frankfurt mit. Vor allem Deals für große Flächen fehlten. „In der aktuellen Rezession überwiegt der Rotstift.“

Am stärksten fiel JLL die Bürovermietung zum Vorjahr in Stuttgart (minus 56 Prozent), gefolgt von Düsseldorf (minus 45) und Frankfurt (minus 42). Im erfolgsverwöhnten Berlin und München lag das Minus bei 25 Prozent. Da sich die Konjunktur zeitverzögert erholen dürfte und Unternehmen mit Einstellungen zögerten, rechnet JLL erst zur Jahresmitte mit einem Anziehen der Vermietungen. In Summe könnte der Büroflächenumsatz 2021 bei rund 2,9 Millionen Quadratmetern liegen, ein Plus von elf Prozent. Es gibt also Hoffnungsschimmer. Alles hänge aber an der Pandemie, sagte JLL-Experte Helge Scheunemann. „Je länger der Lockdown, desto weniger Vermietungen.“ Der Markt sei von einer Angebotsschwemme aber weit entfernt.

Nach Einschätzungen des Immobilienspezialisten Colliers wurde 2020 beim Büroflächenumsatz der Schnitt der vergangenen zehn Jahre um ein Viertel unterschritten. Die von manchen erwartete Leerstandswelle sei aber ausgeblieben. In den sieben größten deutschen Städten stünden zwar etwas mehr Büroflächen leer, die Quote liege mit rund 3,5 Prozent jedoch „nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau“. Das gilt auch für Bremen, denn gemäß Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, lag die Leerstandsquote hierzulande in 2020 bei um die drei Prozent bei einer Bautätigkeit von rund 43 000 fertiggestellten Quadratmetern.

(Autor: Alexander Sturm / Foto: Ingrid Krause/BTZ Bremer Touristik-Zentrale)