Pandemie als Wandelbeschleuniger?

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Die Veränderung der Innenstädte – so auch in Bremen – wird vielerorts diskutiert. Um die Zentren weiterhin attraktiv zu gestalten, sind kreative Ideen erforderlich.

Bremen. Hinter den Folgen der Corona-Pandemie steht nach wie vor ein großes Fragezeichen. Wie lange wird sich die Phase noch hinziehen? Und welche Auswirkungen hat sie auf die aufgeschreckte Branche der Gewerbeimmobilien?

Neben der Covid-19-Krise könnte die zunehmende Digitalisierung negative Auswirkungen auf die Nachfrage nach gewerblichen Immobilien haben, wie der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) betont. „Die sinkende Nachfrage nach Gewerbeimmobilien geht mit einem anhaltend hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum einher“, erklärt VNW-Direktor Andreas Breitner. „Gerade Metropolen gelten für viele Menschen nach wie vor als Orte, die Jobs, vielfältige Kontakte zu anderen Menschen, Kultur und gute Lebensbedingungen versprechen. Deshalb verzeichnen Städte nach wie vor einen Zuzug von Menschen aus dem In- und Ausland.“

Sein Vorschlag: Eigentümer von Gewerbeimmobilien sollten die aktuelle Chance nutzen und bisher als Bürogebäude genutzte Immobilien in Wohngebäude umwandeln. Es gehe darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – dieser biete „auf viele Jahrzehnte eine sichere Einnahmequelle“. Breitners Verband vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 389 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften.

Der VNW-Vorsitzende möchte mit seiner Idee gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn aufgrund der vor allem in den städtischen Lagen vorhandenen Infrastruktur sei die Umwandlung der bislang für gewerbliche Zwecke genutzten Immobilien in Privatwohnungen ganz im Sinne des viel diskutierten Klimaschutzes. „Nicht zuletzt würde eine Umwandlung der Verödung der Innenstädte entgegenwirken. Dort, wo Menschen leben, bleiben die Viertel spannend und aufregend“, wirft Breitner ein weiteres Argument in den Raum.

Der Verband plädiert dafür, Fördermöglichkeiten für Investoren zu schaffen, um entsprechende Pläne zu unterstützen. „Es geht in erster Linie darum, den Mix aus Wohnen und Gewerbe zu ermöglichen. Reine ,Schlafstädte‘ sind heute genauso out wie reine Gewerbegebiete am Rande der Stadt“, ergänzt Breitner.

In Bremen wurde die Idee, Büroflächen in Wohnraum umzuwandeln, bereits vor geraumer Zeit aufgegriffen. Im Oktober 2014 hat die Wirtschaftsförderung (WFB) ihr Zukunftskonzept „Bremen Innenstadt 2025“ vorgestellt und in der Vorlage Leitlinien für die City formuliert. „Die Umwandlung von geeigneten Büroimmobilien bietet die Chance, neue und ungewöhnliche Nutzergruppen und Wohnwünsche zu entwickeln“, warb die WFB seinerzeit für das ambitionierte Langzeitprojekt. Sowohl für die Eigentümer der nicht mehr marktgerechten Büroimmobilien als auch für die Quartiere und die Stadt ergäben sich ausschließlich Win-Win-Effekte.

Auf Eigentümer von Gewerbeimmobilien, die mit einer Umwandlung liebäugeln, kämen laut VNW allerdings große Herausforderungen zu. Im Rahmen der aktuellen Anforderungen müssen unter anderem umfangreiche Aspekte wie Brand-, Schall- und Wärmeschutz sowie energetische Punkte berücksichtigt werden.

(Autor: Guido Finke / Foto: Christian Walter)