Lebhafte Investmentmärkte

Vor allem Investitionen in Büroobjekte waren weiterhin gefragt, doch auch die Bereiche Logistik und Healthcare erzielten neue Rekordwerte. Dagegen waren die Märkte der Einzelhandelsimmobilien und Hotels im ersten Halbjahr 2021 eher schwach.

Bremen. Auf den Investmentmärkten von Gewerbeimmobilien ist Expertinnen und Experten zufolge die zunehmende Entspannung durch die Lockerung der Corona-Maßnahmen spürbar. Die Wirtschaft kommt wieder in Fahrt und eine steigende Zuversicht äußert sich damit auch bei den Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine umfassende Analyse des Immobilienunternehmens BNP Paribas Real Estate Holding GmbH, die die Transaktionen auf den Märkten in der ersten Hälfte des Jahres 2021 auswertet.

In Zahlen bedeutet das: Mit einem Transaktionsvolumen von knapp 24 Milliarden Euro wird der zehnjährige Durchschnitt laut der aktuellen Untersuchung trotz Pandemie sogar um fast 13 Prozent übertroffen. Rechnet man die Investitionen in Wohnimmobilien ab 30 Einheiten hinzu, die sich auf knapp 9,9 Milliarden Euro belaufen, ergibt sich ein Gesamtumsatz von fast 34 Milliarden Euro. Dabei waren allerdings die einzelnen Märkte unterschiedlich erfolgreich.

Entspannung auf den Märkten

„Die bereits im ersten Quartal zu beobachtende Aufhellung auf den Investmentmärkten hat sich im zweiten Quartal nicht nur verfestigt, sondern noch beschleunigt“, berichtet Marcus Zorn, CEO von BNP Paribas Real Estate Deutschland.

„Das nachhaltige Vertrauen der Investoren in die deutschen Immobilienmärkte ist weiterhin sehr groß und wird durch die sich deutlich verbessernden Perspektiven auf den Nutzermärkten unterstützt. Nicht nur im Logistiksegment ist eine starke Nutzernachfrage zu beobachten, sondern auch auf den Büromärkten konnte in mehreren Städten bereits im ersten Halbjahr ein spürbares Umsatzplus verzeichnet werden. Aus heutiger Sicht deutet alles darauf hin, dass sich dieser Trend im zweiten Halbjahr bundesweit verstärken dürfte. Verantwortlich hierfür ist vor allem auch die sich immer weiter verbessernde Stimmung in der deutschen Wirtschaft“, erläutert der Experte.

Die wichtigsten Anlageklassen

Insbesondere die Investitionen in Büroobjekte blieben demnach attraktiv: Dieser Bereich war mit einem beachtlichen Anteil von 47 Prozent (knapp 11,2 Milliarden Euro) weiterhin die wichtigste Anlageklasse.

Hierdurch werde nach Einschätzung des Immobilienunternehmens unterstrichen, dass Anleger langfristig keine Umsatzeinbußen durch steigende Homeoffice-Anteile zu erwarten hätten. Zwar sei es wahrscheinlich, dass mobiles Arbeiten zunehmen werde,
signifikante Flächeneinsparungen seien beim voraussichtlich präferierten Modell von ein bis zwei Tagen Homeoffice pro Woche aber kaum realisierbar und von den meisten Unternehmen auch nicht gewollt.

Im Ranking der wichtigsten Gruppen an Anlageobjekten weiter aufholen konnten die Bereiche Logistik und Healthcare. Ihre Erfolgsgeschichte setzte sich also fort, indem erneut Rekordwerte erzielt wurden. Diese Entwicklung dürfte auch aufgrund weiter ansteigender Umsätze im Onlinehandel sowie der demographischen Entwicklung anhalten.

Einen unterdurchschnittlichen Umsatzanteil von lediglich knapp 12 Prozent (2,8 Milliarden Euro) verzeichnen Einzelhandelsimmobilien, wobei die Verkäufe langsam wieder ansteigen. Stark nachgefragt sind aber weiterhin lebensmittelgeankerte Objekte.

Ein im Vergleich schwaches Resultat erreichten auch die Hotels mit knapp 5 Prozent und einem Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Euro aufgrund von Lockdowns und Reisebeschränkungen, die Tourismus und Geschäftsreiseverkehr ausbremsten. Mit den Lockerungen wird aber von einer Verbesserung der Lage für die Branche ausgegangen, die sich im zweiten Halbjahr 2021 auch positiv auf die Investitionen auswirken dürfte.

Weitere Ergebnisse und Perspektiven

Die Untersuchung ergab darüber hinaus, dass der Anteil von Einzeldeals mit 80 Prozent (etwa 19,2 Milliarden Euro) überproportional hoch war, während Portfolioverkäufe mit nur 20 Prozent (etwa 4,7 Milliarden Euro) spürbar unter dem langjährigen Schnitt gelegen hätten. Als beliebtester Investitionsstandort wurde mit 4,2 Milliarden Euro erneut die Hauptstadt Berlin ausgemacht.

Weitere Ergebnisse der Marktanalyse zeigen, dass die Netto-Spitzenrenditen im zweiten Quartal des Jahres vereinzelt weiter gesunken sind. Der Anteil ausländischer Käufer blieb mit knapp 39 Prozent etwa konstant auf dem Niveau der letzten Jahre. Insgesamt wurden allein im Gewerbebereich über 750 Transaktionen erfasst.

Nico Keller, Deputy CEO der BNP Paribas Real Estate, schätzt die weiteren Entwicklungen optimistisch ein: „Das sehr gute erste Halbjahr der Investmentmärkte unterstreicht, dass die Investoren die Corona-Pandemie als temporäres Ereignis einstufen und fest davon ausgehen, dass übergeordnete ökonomische und strukturelle Trends der letzten Jahre, die vor allem die Nutzermärkte beflügelt haben, weiterlaufen werden, wenn die Lage kontrollierbar ist.“

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: rawpixel.com/Freepik.com)