Nachhaltigkeit als Wertsteigerung

Nachhaltigkeitszertifikate können bei Büroimmobilien nicht nur für ein positives Image sorgen, sondern auch zu Werttreibern für Investoren werden.

Bremen. Nicht nur im Zuge des Klimawandels, sondern auch aus ökonomischer Sicht werden Nachhaltigkeitsaspekte wie der Emissionsausstoß immer relevanter – so auch für Investierende auf dem Bau- und Immobilienmarkt. Das Bauen und Betreiben von Gebäuden unter der Berücksichtigung nachhaltiger Gesichtspunkte prägt die Immobilienbranche und wird laut Experten ebenso intensiv von den Akteuren diskutiert wie das Thema Inflation.

Analysen von Google Trends ergeben in Deutschland sogar eine Verdopplung der Suchanzahl nach den Schlagwörtern Nachhaltigkeit oder ESG (Environmental, Social und Governance) seit 2016. Demnach handelt es sich um einen langanhaltenden und übergreifenden Trend, der wahrscheinlich auch über die Corona-Pandemie hinaus noch anhalten und die Entscheidungen in der Branche intensiv mitbestimmen wird.

Mit dem Green Deal, der ESG-Offenlegungsverordnung (SFDR) und der EU-Taxonomie hat die Europäische Union Regelwerke erarbeitet, deren Ziel es ist, die Kapitalströme in der EU in ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten zu lenken. Investments nach ESG-Kriterien, worunter auch die Investition in nachhaltige Immobilien zählt, wird aber nicht mehr primär nur aus gesetzlicher Verpflichtung oder sozialer Verantwortung angestrebt, sondern weil es sich auch finanziell lohnt. Der Vergleich eines ESG-Aktien-Index mit einem Pendant-Index ohne ESG-Bestandteile zeigt, dass der ESG-Index in einem Zeitraum von 156 Monaten den Pendant-Index ohne ESG-Bestandteile um 7,9 Prozent übertrifft. Hierbei wurde der „MSCI ACWI ESG Leaders Index“ mit dem „MSCI ACWI Index“ verglichen. Ferner zeigt eine Studie von Morning-­star einen deutlichen Anstieg der nachhaltigen Vermögenswerte innerhalb der letzten Jahre. Demnach sind diese in Europa auf 1,1 Billionen Euro angestiegen (Stand Dezember 2020).

Die Ergebnisse einer neuen Marktanalyse des Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmens JLL zeigen, dass Nachhaltigkeitszertifikate und erfüllte ESG-Kriterien sogar als Werttreiber für Gewerbeobjekte fungieren können. Für Immobilieninvestorinnen und -investoren sind beispielsweise solche umweltfreundlichen und energieeffizienten Büroimmobilien besonders attraktiv – klimafreundliches Bauen und Betreiben von Gewerbeobjekten sorge nicht nur für einen positiven Einfluss auf das Image, sondern könne ebenfalls höhere Mieteinnahmen zur Folge haben.

Verschiedene Zertifikate und Siegel können dabei die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz von Gebäuden bescheinigen, doch die Vielfalt ist groß und häufig unübersichtlich. Der Anteil zertifizierter Flächen bei neuen Bauvorhaben und Sanierungen in deutschen Großstädten steigt laut JLL dennoch insgesamt deutlich an. Auch treibt ihr zurzeit noch eher kleiner, aber stetig wachsender Einfluss auf den Immobilienwert im Zusammenhang mit der wachsenden Nachfrage nach ökologischen Büro- und Gewerbeobjekten sowie der Verknappung verfügbarer Flächen die Mietentwicklung weiter voran.

Gleichzeitig verändern sich auch die Ansprüche der Nutzenden, für die nicht zertifizierte Gebäude unattraktiver werden. Bei Eigentümern verstärkt sich laut der Untersuchung aus dem März 2021 das Interesse an grünen Objekten noch deutlich schneller: 53 Prozent, also mehr als der Hälfte der befragten Investoren, gaben bereits an, dass für sie ein Nachhaltigkeitszertifikat eine „hohe“ bis „sehr hohe“ Bedeutung beim Kauf einer Immobilie habe. „Zertifizierungen sind mittlerweile nicht nur ein Aushängeschild für die Nutzer der Büroflächen, sondern auch ein wichtiges Element im Ankaufsprozess der Investoren selbst“, erklärt Honoré Achille Simo, Head of Business Development Valuation & Transaction Advisory, JLL EMEA.

Ebenfalls in der Studie abgefragt wurde das Thema ESG-Kriterien als Teil des unternehmerischen Handelns von Investoren. ­Dabei gab niemand an, dass keine der drei Komponenten wichtig sei – Mehrfachantworten waren möglich. Bei dem Umweltkriterium gaben sogar alle Experten an, dieses als „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ zu ­bewerten. Die anderen Kriterien „Social“ und „Governance“ wurde von jeweils 70 Prozent als bedeutsam eingestuft.

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: S. Ziese/Imago)