Vegesack im Fokus

Das Vegesacker Zentrum soll durch zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen attraktiver werden und mehr Besucher anziehen.

Bremen. Das Zentrum von Vegesack haben viele Bremerinnen und Bremer nicht unbedingt als erstes im Kopf, wenn sie einkaufen gehen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen. Auch die Corona-Pandemie setzt dem lokalen Einzelhandel weiter zu und gestaltet die Vermietung von Ladenflächen schwierig. Die Leerstände im Quartier haben zwar im letzten Jahr leicht abgenommen, liegen aber noch immer bei circa 15 bis 20 Objekten, berichtet Jörn Gieschen.

Der Geschäftsführer des Vereins Vegesack Marketing beobachtete im letzten Jahr einige Neuansiedlungen: Zwei Restaurants, ein moderner Concept Store, ein Finanzdienstleister und ein Antikkaufhaus bereichern nun die Fußgängerzone. „Man kann sagen, dass neues Leben dort entsteht mit sehr interessanten Ansiedlungen. Gleichzeitig haben zum Beispiel zwei Bankfilialen ihre Türen geschlossen. Eine Entwicklung, die vielerorts zu beobachten ist“, so Gieschen.

Themenjahr im Stadtteilzentrum

Vegesack soll in 2022 durch ein vielseitiges Themenjahr belebt werden. Im Rahmen des Projekts sind Feierlichkeiten und zahlreiche Events geplant, um das Stadtteilzentrum als wichtigen Veranstaltungsort zu etablieren. Anlass hierfür ist der 400. Geburtstag des Hafens, der als ältester künstlich angelegter in Deutschland gilt. Das Programm ist Teil des Zukunftsfonds Innenstadt, bei dem die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa als federführendes Ressort agiert.

Gieschen freut sich über die Aufmerksamkeit, die dem Stadtteil damit zuteil kommt. „Wir heben mit dem Themenjahr auch nochmal hervor, was diesen so einzigartig macht: seine maritime Geschichte und Persönlichkeit. Die Nähe der Innenstadt zum wunderschönen Stadtgarten direkt an der Weser ist dabei natürlich ein Pfund für die Vegesacker City.“ Er hofft neben zusätzlichen Besucherinnen und Besuchern aus der Hansestadt und aus der Region auch auf eine verstärkte Identifikation der Menschen aus Vegesack mit ihrem eigenen Stadtteil – und eine Bindung an das lokale Angebot. Die Events seien für Wochenenden und Wochentage angesetzt, um möglichst viele Besuchende für die ansässigen Läden und auch Neuansiedlungen zu begeistern.

Ganz einfach sind die Vorbereitungen jedoch nicht, berichtet Gieschen: „Wir müssen auch dieses Themenjahr komplett mit Plan B und C angehen, denn niemand kann voraussagen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wir sind aber wild entschlossen, so weit wie möglich alles wie ausgedacht stattfinden zu lassen. Nur die Rahmenbedingungen und Dimensionen müssen gegebenenfalls angepasst werden.“

Die Akteurinnen und Akteure vor Ort sollen dabei eingebunden werden. Das sieht auch ein im Rahmen des Zukunftsfonds Innenstadt entwickeltes Konzept vor, das zur nachhaltigen Wiederbelebung sowie Weiterentwicklung des Einzelhandels- und Dienstleistungsangebots beitragen soll.

„LosVegen“ gegen den Leerstand

Bereits im letzten Jahr hatte Vegesack Marketing einige Projekte durchgeführt, um die leerstehenden Immobilien wiederzubeleben. Dafür wurden auch Fördergelder bei der Senatorin beantragt, um unter anderem ungenutzte Ladenlokale mit Beleuchtung, Kunst und Dekoration auszustatten.

Außerdem wurde im Sommer die Aktion „LosVegen“ initiiert, die dem Vorbild des Pop-Up-Store Wettbewerbs in der Bremer Innenstadt folgte. Sie richtete sich an Etablierte, Gründende, Dienstleister oder Kulturschaffende. Als Gewinn winkte den sieben vielversprechendsten Konzepten im Rahmen des Bremer Aktionsprogramms Stadtteilzentren die Übernahme je einer Einzelhandelsfläche zu stark vergünstigten Konditionen. Dies sollte die gesamte Fußgängerzone attraktiver machen.

Im Fokus stand eine Kombination aus persönlicher Beratung, besonderen und lokalen Angeboten sowie innovativen, nachhaltigen Geschäftskonzepten. Ziel war nicht nur eine kurzfristige Belebung der Einzelhandelsflächen, sondern eine Fortführung der Konzepte nach Ende des Projektzeitraums „zu mittelfristig wieder marktüblichen Bedingungen.“ Denkbar sei eine staffelweise Anpassung der Mieten.

Gieschen erzählt vom Ergebnis: „Letztlich hatten wir drei Projekten den finalen Zuschlag erteilt. Viele weitere Bewerbungen sind am Auswahlverfahren beziehungsweise den Kriterien gescheitert. Wir wollten und wollen nur nachhaltig erfolgreiche und für den Standort passende Ansiedlungen. Von diesen dreien ist ein Geschäft eröffnet worden, ein Anbieter hat sich bei den kritischen Bedingungen schweren Herzens zurückgezogen und ein weiterer prüft aktuell noch die Finanzierung der Umbaumaßnahmen. Eine Entscheidung steht kurz bevor.“

Insgesamt hätte es etwa 25 Interessierte gegeben, die sich die Flächen angeschaut haben. Obwohl die Aktion nicht so erfolgreich war wie erhofft: Sobald die Situation sich etwas entspanne, werde eine zweite Runde „LosVegen“ geprüft. Trotz der noch immer schwierigen Bedingungen werde die Idee als positiv bewertet. Die bisher für anteilige Mieten, Marketing und die Renovierung des Concept Stores eingesetzten Mittel seien überschaubar.

Buntes Programm stärkt Vegesack

„Wir haben trotz Pandemiebedingungen ein äußerst buntes Programm hier in Vegesack gehabt“, berichtet der Geschäftsführer vom vergangenen Jahr. Der Stadtstrand, Essensstände im Stadtgarten, Heimatshoppen mit Musik und Aktionen, das Vegefest mit großer Modenschau der Vegesacker Händler in der Fußgängerzone, der Kindertag und kleine Wintermärkte: all diese Events hätten der Vegesacker Innenstadt viel zusätzliche Aufmerksamkeit, Zulauf und dringend benötigten Umsatz beschert. Auch der Vegesacker Adventskalender und der Start des neuen „BreMEHR“ Gutscheins stärkten den Standort. Das wirke sich sowohl positiv auf die Einzelhändler als auch die Neuvermietung von Flächen aus, so Gieschen.

Auch für dieses Jahr gebe es Pläne: „Für 2022 sind neben dem ‚Havengeburtstag‘, den Stadtteilevents sowie der Fortsetzung von ‚BreMEHR‘ und ‚LosVegen‘ weitere Aktionen geplant. Zum Beispiel wollen wir ein Outdoor-Sommerkino etablieren. Da gibt es viele tolle Plätze und Möglichkeiten.“

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: Jens Wiegand)