Ungenutztes Energiepotenzial auf Dächern

Riesige Hallen, riesige Dächer: Die Logistikwirtschaft sieht noch eine Menge Energiepotenzial auf Immobilien der Branche.

Bremen. Das Leistungsvermögen von Fotovoltaikanlagen möchte eine neue Initiative des Themenkreises Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik (BVL) weiter ausschöpfen.

„Wir haben insgesamt rund 400 Millionen Quadratmeter Dachfläche in Deutschland, deren Potenzial wir bestmöglich nutzen sollten“, erklärt Kuno Neumeier, Sprecher der Arbeitsgruppe. „Bis dato wird die Logistikbranche eher mit Verkehrschaos und Luftverschmutzung, denn mit grüner Energie gleichgesetzt.“ Es sei an der Zeit, ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken – gerade Kommunen und Gemeinden können von den Überkapazitäten profitieren.

Strom für 800.000 Haushalte

Sage und schreibe 50 Millionen Quadratmeter Dachfläche sind allein in den vergangenen zehn Jahren durch Logistikimmobilien entstanden. Knapp zwei Drittel der Fläche bieten sich für Solarmodule an. Bis zu 2,5 Terawattstunden Strom könnten nach Angaben des Bündnisses mit den zusätzlichen PV-Anlagen allein auf dem im vergangenen Jahrzehnt geschaffenen Raum erzeugt und in die öffentlichen Netze eingespeist werden. Damit wäre der durchschnittliche jährliche Strombedarf von ungefähr 800.000 Haushalten gedeckt.

„Die wichtigste Hürde für mehr Fotovoltaik auf Logistikimmobilien ist bereits genommen“, ergänzt Tilo Nahrath, Sprecher der Initiative Power of Logistics. „Denn noch 2012 war nur ein Bruchteil der damals neu geschaffenen Dachflächen allein aus statischen Gründen überhaupt für Fotovoltaik geeignet.“ Heutzutage gehöre die statische Vorrüstung jedoch zu den Standards der Immobilienentwickler.

Im Zuge der ESG-Richtlinien (Environmental Social Governance) der Europäi-schen Union ist in Deutschland noch eine Menge Luft nach oben. Dieser Ansicht ist Richard Schneider, ebenfalls Sprecher der Initiative Power of Logistics. Mit einer modernisierten technischen Gebäudeausstattung – in Kombination mit Fotovoltaik und Wärmepumpen – könnten die Vorgaben der EU nicht nur erfüllt, sondern übertroffen werden, meint der Experte. „Wenn wir die Einspeisung erhöhen und den Verbrauch senken, können wir tatsächlich vom Energiekraftwerk Logistikhalle sprechen. Das ist der Ansatz, den wir verfolgen“, sagt er. Zwar werde ein Großteil der erzeugten Energie für den Betrieb der Immobilien genutzt, doch ließe sich der Verbrauch durch intelligente Messungen und Ansteuerung der Systeme spürbar senken.

(Autor: Guido Finke / Foto: WFB/Ginter )