Frischer Wind in Bremer Innenstadt

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Kristina Vogt (m.l.), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, und Andreas Heyer (m.r.), Geschäftsführung der WFB, mit Peter Pflug (l.) und Max Maurer (r.) von m:pura.

Bremen. Wie kann die Zukunft des Einzelhandels in den Innenstädten konkret gestaltet werden? Der Deutsche Städtetag sieht einen großen Handlungsbedarf angesichts deutlicher Veränderungen, auch infolge der Corona-Pandemie. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy bezeichnet die Leerstände durch eine ansteigende Zahl an Geschäftsaufgaben in einigen Städten bereits als besorgniserregend. Der rasante Wandel hin zum Online-Handel verstärke sich durch Corona und die Schließungen aufgrund des Lockdowns merklich. „Deshalb müssen wir Alternativen finden, wie leere Ladenlokale oder Büroflächen neu genutzt werden können - mit einem bunten Mix an Mietern, über den Einzelhandel hinaus“, so Dedy. „Wir wollen die Veränderung der Innenstädte aktiv gestalten, denn lebendige Innenstädte prägen die Stadt.“

Ein Grund für die Leerstände seien die hohen Mietforderungen der Immobilieneigentümer, die insbesondere kleinere inhabergeführte Einzelhändler bei sinkenden Umsätzen nicht mehr aufbringen könnten. Ohne eine Anpassung der Mietbedingungen zwinge sie dies häufig zur Schließung des Geschäfts. Damit leere Innenstädte wieder mit Besuchern gefüllt werden können, müssen diese laut Dedy neu gedacht und weiterentwickelt sowie durch Bund und Länder mit finanziellen Mitteln gefördert werden.

Pop-up-Stores in der Bremer Innenstadt

Wie dies gelingen kann, zeigen neue Entwicklungen aus Bremen: Die Individualität, Angebotsvielfalt und Besucherfrequenz im lokalen Einzelhandel in der Freien Hansestadt sollen unter anderem durch das Aktionsprogramm Innenstadt der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH erhöht werden. Der Senat beschloss das Programm im August 2020, um die Folgen der Pandemie zu verringern. Es umfasst insgesamt über 30 Einzelmaßnahmen, die bis Ende 2021 schnell und unkompliziert umgesetzt werden und die Bremer City nachhaltig stärken sollen.

Einen Baustein bildet ein Wettbewerb im Auftrag der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, in dessen Rahmen kürzlich aus 29 eingegangenen Bewerbungen drei Gewinner gekürt wurden. Diese können nun ihre Ideen in einem Pop-up-Store für zehn Monate kostenfrei direkt in der Innenstadt ausprobieren. Hierfür standen gleich drei Flächen zur Auswahl, die nun mit Leben gefüllt werden. Die Sieger sind FAEX mit einem stetig wechselnden Angebot an Mode von Designern, die sonst nicht in Bremen zu finden sind, Hello Good Buy – ein skandinavisches Konzept, das Second-Hand neu denkt und nach Deutschland expandiert – und m:pura mit 3-D-Lichtobjekten. Die WFB hat die leerstehenden Flächen für 50 Prozent der zuletzt vereinbarten Kaltmiete angemietet und vergibt sie über Untermietverträge kostenfrei weiter. Aufgerufen waren kreative Gründende und Unternehmen mit neuen und nachhaltigen Ideen und Angeboten, die so noch nicht in der Innenstadt vorhanden sind. Nach der mietfreien Phase sollen die Ideen zu marktüblichen Bedingungen dauerhaft eine Heimat in Bremen finden.

Neue Konzepte können dabei helfen, die Potenziale gegenüber dem Online-Geschäft durch eine kreative Nutzung von Gewerbeimmobilien auszuschöpfen. Die Idee ist, dass die Pop-up-Stores die verfügbaren Flächen beleben und die Menschen wieder in die Innenstädte ziehen. Durch die temporäre Nutzung und wechselnde Angebote ergeben sich nach Einschätzung der Wirtschaftsförderung Bremen für Kundinnen und Kunden vermehrt Anreize zum Besuch und ein besonderer Erlebnischarakter. Neue Akteurinnen und Akteure für die Flächen zu gewinnen sei ebenso ein Ziel, bemerkt Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Doch auch etablierte Geschäfte würden durch die Laufkundschaft profitieren, was die Stores zu einem Gewinn für alle mache, erläutert Andreas Heyer als Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB. Die große Resonanz weit über Bremens Grenzen hinaus zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Dies biete laut Vogt auch viele neue Ansätze für Aktionen in der Zukunft.

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: WFB/Frank Pusch)