Flächen bestmöglich nutzen

Gewerbegebiete können ebenso nachverdichtet werden wie Wohngegenden. Das schont Grünflächen und weitere Ressourcen. Vom Neubau über den Anbau bis zur ökologischen Aufwertung gibt es viele Möglichkeiten – so auch in Bremen.

Bremen. Der Flächenbedarf ist hoch und die Ressourcen sind begrenzt – so auch Grund und Boden. Die Wirtschaftsflächenentwicklung im kleinsten Bundesland muss demnach besonders sorgfältig geplant sein. „Ziel ist es, wirtschaftlicher und nachhaltiger mit Flächen umzugehen. Hinzu kommt, dass in Bremen freie, unbebaute Gewerbegrundstücke ein knappes Gut sind. Neben der Erschließung neuer Gewerbeflächen kann die Nachverdichtung einen wichtigen Beitrag für Wachstum und Ansiedlung von Unternehmen in Bremen leisten“, sagt Anke Werner, stellvertretende Abteilungsleiterin für Unternehmensservice und Standortentwicklung bei der WFB Wirtschaftsförderung Bremen.

Die Expertin erklärt: „Nachverdichtung bedeutet im Wesentlichen die Inwertsetzung und bessere Ausnutzung von Flächen. Dies kann die Erhöhung der baulichen Dichte sein, beispielsweise durch die Errichtung von Erweiterungs- und Anbauten, aber auch die Aufstockung von Gebäuden um weitere Stockwerke oder die Stapelung von Nutzungen, die zuvor nur in einer ebenerdigen Halle stattfinden – etwa in der Logistik oder der Produktion.“

Bedeutung der Nachverdichtung

Die Maßnahmen gelten als zukunftsweisend und nachhaltig, da der bisher unbebaute Boden insbesondere in den Stadtrandgebieten geschont wird. Doch es geht nicht nur um die Immobilien selbst, ergänzt Anke Werner: „Es können alle Aspekte eines nachhaltigen Umgangs eine Rolle spielen. Flächen, die baulich nicht mehr genutzt werden, können beispielsweise durch Bepflanzungen ökologisch aufgewertet werden. Das Stichwort ist hier Biodiversität auf Unternehmensgrundstücken.“

Die städtebauliche Nachverdichtung ist bisher eher aus dem Umgang mit Wohnbauland bekannt, rückt aber auch vermehrt bei der Innenentwicklung von Gewerbegebieten in den Fokus. Inzwischen ist sie auch dort ein fester Teil der planerischen Strategien, Methoden und Instrumente. Anke Werner merkt an: „Nachverdichtung ist kein neues Instrument. Unternehmen bauen schon immer bei Wachstum und Erweiterungsbedarfen auf ihren Betriebsgrundstücken neue Gebäude an oder stocken Gebäudeteile auf. Neu ist zum Beispiel, dass wir als WFB im Rahmen der Bestandsbetreuung gezielt Unternehmen für Nachverdichtung sensibilisieren.“

Die Methoden können in sechs verschiedene Typen unterteilt werden. In vielen Fällen kommt in bereits bestehenden Gewerbegebieten entweder ein Neubau, ein Ersatzneubau oder eine Aufstockung von Immo-bilien infrage. Auch ein Anbau beziehungsweise Erweiterungsbau ist möglich, um Lücken zu schließen. Ebenso kann eine gewerbliche Nachnutzung geplant werden, ohne dafür eine der genannten Baumaßnahmen umzusetzen – wobei in diesem Fall möglicherweise mit Umbauten zu rechnen ist. Des Weiteren zählt auch die ökologische Aufwertung dazu.

Durch eine gezielte und umfassende Planung ist das Nachverdichten auch in Einklang mit der Erhaltung von Grünflächen umsetzbar und mit den Belangen von Klimaschutz und -anpassung vereinbar. Es lassen sich sogar Synergieeffekte nutzen. Zu beachten ist beispielsweise der Umgang mit Niederschlagswasser in Kombination mit Rückstau- und Versickerungsmaßnahmen. Allgemein sollten neben dem Ziel der effizienteren Flächennutzung in bestehender Bebauung auch gesunde Verhältnisse zum Wohnen und Arbeiten gewahrt werden.

Anke Werner fasst die Vorteile zusammen: „Die größten Potenziale liegen im wirtschaftlichen Umgang im Sinne einer höheren baulichen Ausnutzung von Flächen und in der Inwertsetzung von Flächen, die mindergenutzt erscheinen. Hinzu kommen die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Beiträge zur Biodiversität.“ Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass bei den bestehenden Gewerbegebieten die städtebauliche Infrastruktur wie Straßen oder Leitungen für Strom, Wasser oder Telefonie und Internet bereits vorhanden sind, was Zeit und Kosten einsparen kann.

Doch die Expertin sieht auch eine Herausforderung bei der Umsetzung: „Da die Flächen sich zum überwiegenden Teil in Privatbesitz befinden, gilt es, die Eigentümerinnen und Eigentümer für die Themen Nachhaltigkeit und Nachverdichtung zu sensibilisieren und mit ihnen gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“

Bremer Studie zu Potenzialen

Auch in der Hansestadt ist das Thema laut Anke Werner sehr aktuell: „Im Rahmen der Fortschreibung des Bremer Gewerbeentwicklungsprogramms mit Zeithorizont 2030 (GEP 2030) wurde eine Studie zu Nachverdichtungspotenzialen durchgeführt und die untersuchte Methodik auf die Standorte Technologiepark und Airport-Stadt exem-plarisch angewendet. Diese Ergebnisse gilt es nun aufzugreifen und mit den Unternehmen an diesen Standorten über Nachverdichtungsmöglichkeiten zu sprechen. Natürlich soll die Methodik auch auf andere Bestandsgebiete angewendet werden.“

Bei den begrenzten räumlichen Kapazitäten soll dem Bericht zufolge eine flächensparende und urbane Gewerbeentwicklung das Ziel sein. Gefragt sei ein intelligenter, strategischer Ansatz der Innenentwicklung, um die Zukunftsfähigkeit Bremens als attraktivem Wirtschaftsstandort zu sichern.

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: studio b bremen)