Die Sonne als Energiequelle nutzen

Eine Photovoltaik-Anlage steht auf dem Dach des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik der Technischen Universität Braunschweig. Auch öffentliche Gebäude eignen sich gut für Solaranlagen.

Bremen. Für die aktuell besonders stark diskutierte Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern kann Solarenergie einen wichtigen Beitrag leisten – ob zum Beheizen von Gebäuden oder zur Versorgung mit Strom. Zugleich reduziert sie die Energiekosten und kommt dem Klimaschutz zugute. Durch innovative Strom- und Wärmespeicher ist die Energie inzwischen konstant verfügbar. Damit wird die Photovoltaik zukunftsfähig.

Um die Energiewende konsequenter voranzubringen, fordern viele Expertinnen und Experten einen noch stärkeren Einsatz von Solaranlagen. An zahlreichen Stellen werden die Module bereits auf Gebäuden verbaut – doch zumeist nur bei Wohnobjekten und Neubauten.

Um die Potenziale besser zu nutzen, rücken jedoch auch Nicht-Wohngebäude wie gewerblich genutzte Bestandsbauten, öffentlichen Einrichtungen oder beispielsweise Gebäude von Sportvereinen, Stiftungen und Glaubensgemeinschaften immer stärker in den Fokus.

Bremen soll „Solar City“ werden

Bremen und Bremerhaven nehmen seit Februar 2021 am bundesweiten „Wattbewerb“ teil. Bei der Challenge soll in den beteiligten Städten die installierte Leistung an Photovoltaik schnellstmöglich verdoppelt werden. Dies leistet auch einen Beitrag zu dem Vorhaben, zu „Solar Cities“ zu werden.

Bislang konnte das anvisierte Ziel in Bremen nicht erreicht werden: Die installierte Photovoltaikleistung von gut 41,7 Megawatt am 12. Februar 2021 wurde nach einem Jahr Laufzeit auf etwa 2120 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von gut 50,5 Megawatt gesteigert: eine Erhöhung um 8,8 Megawatt anstatt der angestrebten Leistung von rund 83 Megawatt.

Inse Ewen, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Bremen, stellt fest: „Immer mehr private Hausbesitzerinnen und -besitzer installieren eine Solaranlage auf ihrem Dach. Das Potenzial ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Es wäre doch super, wenn Bremen die Städtechallenge gewinnt und damit deutlich macht, dass alle gemeinsam eine Solar City erreichen können.“

Christian Gutsche, Bündnissprecher der Bremer Wattbewerb-Akteure, ergänzt: „Für eine Verdoppelung der Photovoltaikleistung müssen alle Akteure einen Beitrag leisten. Wir brauchen mehr Solarleistung nicht nur bei Privathaushalten, sondern auch bei Gewerbe und Dächern der öffentlichen Hand.“

Auch in Bremen sollen mehr Solaranlagen installiert werden.

Gesetze in den Bundesländern

Umfassendere Vorschriften zur Installation von Photovoltaik sollen hierzu einen wichtigen Teil beitragen. Gesetze und Pläne gibt es nicht nur für Ein- und Mehrfamilienhäuser, sondern auch für Nicht-Wohngebäude. Diese unterscheiden sich jedoch je Bundesland.

In Bremen ist eine Solardachpflicht für alle privaten und gewerblichen Neubauten geplant – und darüber hinaus auch für alle Bestandsgebäude, die eine umfassende Dachsanierung benötigen. Der entsprechende Beschluss wurde bereits im Juni 2020 in der Bremer Bürgerschaft verabschiedet. Die Verordnung soll ab dem kommenden Jahr gelten.

Im niedersächsischen Landtag wurde im November des vergangenen Jahres eine novellierte Bauordnung beschlossen: Bei neu erbauten, überwiegend gewerblich genutzten Gebäuden mit einer Dachfläche ab 75 Quadratmetern müssen ab 2023 verpflichtend auf mindestens 50 Prozent der Fläche Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen installiert werden. Davon befreit werden können nur wenige Ausnahmefälle, wenn der Denkmalschutz gegen die Errichtung spricht oder im Einzelfall die Installation technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Und auch für Sanierungen sind in einem überarbeiteten Klimagesetz Regelungen vorgesehen. Es soll noch vor der Sommerpause im Landtag beschlossen werden.

Auf dem Weg zur Solarpflicht?

Im Mai ist zudem die erste Umweltministerkonferenz im neuen Jahr in Wilhelmshaven geplant. Als Ressortchef strebt Olaf Lies (SPD) an, eine bundesweite Solarpflicht für die Dächer aller Neubauten – ob Häuser, Gewerbebauten oder öffentliche Gebäude – zu erreichen. In einigen Bundesländern ist dies bereits der Fall.

Die Bundesregierung schreibt zu diesem Thema in ihrem Koalitionsvertrag: „Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten soll dies verpflichtend, bei privaten Neubauten soll es die Regel werden.“ Im Januar hat Klimaschutzminister Robert Habeck Sofortmaßnahmen ange-kündigt. Dazu gehören eine Erhöhung der Ausschreibungsmengen für erneuerbaren Strom aus Wind und Sonne und eine Solarpflicht auf neuen Gebäuden – wobei sich diese auf gewerbliche Neubauten bezieht.

Auskünfte und Beratung

Kostenfreie Informationen zu Solaranlagen erhalten Unternehmen und Einrichtungen von der gemeinnützigen Klimaschutzagentur Bremer Energiekonsens unter www.solar-in-bremen.de. Um die Eignung eines Dachs für eine Anlage kostenfrei und selbstständig zu prüfen, bietet die Freie Hansestadt Bremen das Solarkataster an: www.solarkataster-bremen.de.

(Autorin: Lisa Janzen / Fotos: Julian Stratenschulte/DPA /  Martin Schutt/DPA-Zentralbild/DPA)