In Bremen fehlen 36.000 Wohnungen

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In der Region Bremen werden bis zum Jahr 2030 etwa 36.000 neue Wohnungen benötigt. Das geht aus der ersten regionalen Wohnungsmarktbeobachtung hervor, die der Kommunalverbund Niedersachsen-Bremen vorgestellt hat. Der Verein hat für das Projekt Daten zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Bevölkerungsentwicklung, der Struktur des Wohnungsangebotes, den Baufertigstellungen und der Preisentwicklung im Zeitraum zwischen 2011 bis 2015 zusammengetragen, ausgewertet und daraus Prognosen abgeleitet.

Grundlage sind Zahlen aus allen 26 Städten und Gemeinden, die dem Kommunalverbund angehören. Das Ergebnis des Berichts legt nahe: In der Region Bremen gibt es zu viele große und zu wenig kleine Wohnungen. Und es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum an zu wenigen Standorten.

Der Kommunalverbund prognostiziert, dass es allein in der Stadt Bremen bis 2030 etwa 19.800 neue Wohnungen brauchen wird, mehr als die Hälfte davon kleiner Wohnraum. Das hat weniger damit zu tun, dass die Bevölkerung weiter wächst, sondern eher, dass sie älter wird und sich die Wohnbedürfnisse verändern. Vor allem ältere Paare und Alleinstehende werden auf neue Wohnungen angewiesen sein. Der Kommunalverbund geht davon aus, dass sie bis 2030 etwa 22.000 neue Ein- und Zweizimmerwohnungen in der Region nachfragen werden. Die Städte und Gemeinden könnte das vor Probleme stellen. Die Untersuchung zeigt: Bislang sind sie nicht ausreichend auf den Wandel vorbereitet.

„Die Herausforderungen enden nicht an Stadt- oder Gemeindegrenzen“, sagt Andreas Bovenschulte. Der Weyher Bürgermeister (SPD) und Vorsitzende des Kommunalverbundes glaubt: „Lösungen für den erheblichen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum können nur gefunden werden, wenn wir anfangen, auf regionaler Ebene zusammenzuarbeiten.“ Laut der Prognosen könnten bis 2030 bloß 15.000 neue Wohnungen auf bisher noch freien Flächen in der Region entstehen. Davon wären nur 6000 in sehr gut erschlossener Lage mit Anbindung an den Nahverkehr, Schulen, Kinderbetreuung und Einkaufsmöglichkeiten. Der restliche Bedarf dagegen müsste anderweitig gedeckt werden. Wie genau es gelingen soll, neuen Wohnraum zu schaffen, darüber soll nun diskutiert werden. Zumindest erhofft sich das der Kommunalverbund.

„Es geht jetzt nicht darum, einfach nur viele neue Wohnungen zu bauen, wir brauchen auch die richtigen Wohnungen an den richtigen Orten“, sagt Bovenschulte. Was er damit meint: Es mangelt vor allem an günstigem Wohnraum. Überall in der Region, aber besonders in kleineren niedersächsischen Kommunen.

Zwar fällt die Durchschnittsmiete in vielen Städten und Gemeinden, die an Bremen grenzen, mit 5 bis 7 Euro pro Quadratmeter im Bundesvergleich noch moderat aus. Doch ist der Bestand an geförderten Wohnungen in der gesamten Region laut Kommunalverbund sehr gering. Nur etwa 11.000 Wohnungen seien belegungsgebunden, also geförderter Wohnraum. Das mache nicht mehr als zwei Prozent der gesamten Wohnungen in der Region aus. Die meisten geförderten Immobilien befinden sich laut Bericht in Delmenhorst und Bremen, dort aber nur in wenigen Stadtteilen. In Gröpelingen etwa seien zehn Prozent aller Wohnungen gefördert.

„Die Untersuchung zeigt: Der viel zu geringe Bestand an bezahlbarem Wohnraum ist ungleich verteilt, und zwar innerhalb Bremens, aber vor allem innerhalb der Region“, sagt Susanne Krebser, Geschäftsführerin des Kommunalverbunds. Andreas Bovenschulte fordert die Städte und Gemeinden deshalb auf, sich in der Region auf „gemeinsame Leitlinien“ zu verständigen. Dazu könne eine verbindliche Quote gehören, die festlegt, wie groß der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnungsbau sein muss, wenn neue Baugebiete ausgewiesen werden.

Bei Bremens Bürgermeister stößt Bovenschultes Forderung nach mehr regionaler Zusammenarbeit auf dem Wohnungsmarkt schon mal auf Zustimmung. Wohnen sei ein Grundrecht und die Frage nach bezahlbarem Wohnraum „eine der wichtigen Fragen unserer Zeit“, sagt Carsten Sieling (SPD). Er verspricht, mit den benachbarten niedersächsischen Gemeinden und Städten nun an einer „gemeinsamen Wohnungsmarktstrategie“ arbeiten zu wollen. (Autor: Nico Schnurr)