Baukindergeld clever investieren

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Mit dem Baukindergeld sollen sich mehr Familien ein Eigenheim leisten können. Bei der Finanzierung sollten sie sich aber nicht allein auf die Förderung verlassen. (Rainer Berg/Westend61)

Seit Mitte September kann das Baukindergeld bei der KfW-Bank beantragt werden. Die Förderung erfolgt durch einen Zuschuss in Höhe von 1200 Euro pro Kind unter 18 Jahren über einen Zeitraum von maximal zehn Jahren, sofern bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Mit der ersten Auszahlung ist frühestens im März 2019 zu rechnen.

Das Baukindergeld funktioniert wie auch andere Förderprogramme der KfW-Bank und kann online beantragt werden. Es hat die Programmnummer 424. Für die Berechnung der Einkommensgrenzen bei Antragstellung in diesem Jahr werden die Einkünfte aus dem Jahr 2015 und 2016 herangezogen. Das zu versteuernde jährliche Haushaltsnettoeinkommen darf 90.000 Euro nicht überschreiten. Für jedes Kind kommen weitere 15.000 Euro hinzu.

„Wie viel der Haushalt später verdient, ist für die Förderung egal“, sagt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Mit einem Online-Check auf der Seite der KfW (www.kfw.de) lässt sich feststellen, ob man überhaupt antragsberechtigt ist. Für Kinder, die nach der Antragstellung geboren werden, kann kein Kindergeld mehr beantragt werden. Die Antragstellung kann auch nicht beliebig hinausgezögert werden, bis ein weiteres Kind geboren wird. Denn der Antrag muss spätestens drei Monate nach dem Einzug in das selbst genutzte Wohneigentum gestellt werden.

"Ferienhäuser zählen nicht mit"

Ausnahmen von diesem Grundsatz gibt es nur für das Jahr 2018, weil das Baukindergeld erst seit 18. September 2018 überhaupt beantragt werden kann. Dann ist entscheidend, ob die Kinder bis zum Tag des Einzugs (es gilt die Meldebestätigung) das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder spätestens drei Monate nach dem Einzug geboren wurden. „Wer vor dem Programmstart am 18. September eingezogen ist, kann den Antrag noch bis zum Jahresende stellen“, sagt Experte Sahr. Aber man erhält das volle Baukindergeld auch für ein Kind, das am Tag nach Antragstellung 18 Jahre alt wird. Es spielt auch keine Rolle, wenn ein Kind später auszieht oder der Kindergeldanspruch wegfällt.

Gefördert wird grundsätzlich der Ersterwerb von Wohneigentum, der zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 erfolgt. Es muss nicht die erste, aber es muss zum Zeitpunkt des Antrags die einzige Immobilie sein. „Keinem Haushaltsmitglied darf am Datum des Kaufvertrags oder der Baugenehmigung (bei einem Neubau) eine andere Wohnimmobilie gehören“, sagt Sahr. Das gelte auch für vermietete Wohnungen.

„Ferienwohnungen und -häuser zählen aber nicht mit“, sagt Sahr. Wer Anspruch auf das Baukindergeld hat, kann sich überlegen, wie er die jährliche Förderung einsetzt. Der geringste Effekt entsteht, wenn die Förderung einfach dem Haushaltseinkommen ohne eine konkrete Planung zugeschlagen wird. Dann fällt es also leichter, die monatliche Rate an Zins und Tilgung zu bezahlen. Bei einem Kind würde sie also um 100 Euro im Monat gefördert.

„Wenn ich das Baukindergeld investiere, um die monatliche Rate zu sponsern, verpufft ein großer Anteil davon für Zinsen“, sagt Kai Weber, Spezialist für Baufinanzierung beim Baugeldvermittler Dr. Klein. Wenn die Förderung abgelaufen ist, muss die reguläre Monatsrate gezahlt werden. „Investiere ich das Geld hingegen clever, lässt sich etwa die Laufzeit verkürzen oder das jetzige Zinsniveau für die Anschlussfinanzierung sichern, sagt Weber.

In der Regel ohne Zusatzkosten

Die 1200 Euro jährlich können als Sondertilgung genutzt werden. Das Geld wird also neben der monatlichen Rate zusätzlich zurückgezahlt. Bei den meisten Banken ist das ohne Zusatzkosten möglich. „Mit Sondertilgungen lassen sich immer Geld und Zeit sparen. Außerdem ist es eine freiwillige Zahlung – das Geld ist also nicht fest verplant, sondern kann auch für andere Dinge verwendet werden, falls etwas Unvorhergesehenes geschieht“, sagt Weber.

Bei einem Kredit über 200.000 Euro verkürzt sich dadurch die Gesamtlaufzeit der Finanzierung um ein Jahr und sieben Monate. Bei zwei Kindern sind es schon drei Jahre und fünf Monate. Mit der verringerten Laufzeit werden auch Zinsen gespart. In den allermeisten Fällen entscheiden sich die Darlehensnehmer für eine Zinsbindung, die kürzer ist als die Gesamtlaufzeit des Kredits. Laut dem Trendindikator Baufinanzierung von Dr. Klein betrug die durchschnittliche Zinsbindung im September 14 Jahre. Dies bedeutet, dass danach eine Anschlussfinanzierung abgeschlossen werden muss – auf Grundlage der dann geltenden Zinsen.

Weil die Bauzinsen im Laufe der nächsten Jahre höchstwahrscheinlich ansteigen, können sich damit auch die Monatsrate und die Zinskosten erhöhen. „Reduzieren lässt sich das Zinsänderungsrisiko, wenn das Baukindergeld in einen Bausparvertrag fließt“, sagt Weber. Mit dessen Bausparsumme wird die Restschuld später ganz oder teilweise abgelöst. (Autor: Olaf Grahl)