Bürgerpark: Bremens grüne Oase

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Er zählt zu Bremens beliebtesten Ausflugszielen, liegt mitten in der Stadt und besticht mit einer großen Vielseitigkeit: Der Bürgerpark ist bereits 151 Jahre alt, aber noch immer ein attraktiver Anziehungspunkt für die Bremer – vielleicht sogar mehr denn je. Seine Einzigartigkeit basiert jedoch auf dem Engagement der Bürger, die ihn seit seinen Anfängen fast ausnahmslos selbst verwalten und finanzieren.

„Der Bürgerpark war früher ein Teil der Bürgerweide, auf der alle Bauern, die kein eigenes Land zur Verfügung hatten, ihr Vieh weiden konnten“, erklärt Parkdirektor Tim Großmann, der sich seit 2012 um die Organisation und Koordination des Bürgerparks kümmert. „Im Laufe der Jahre kam unter den Bürgern der Wunsch auf, einen Teil mit Bäumen zu bepflanzen. Wie genau dieser Wunsch entstand, dazu gibt es unterschiedliche Theorien.“ Fest steht jedoch, dass einige Bremer daraufhin mit der Idee an den Senat herangetreten sind. Dieser war zwar einverstanden, stellte jedoch direkt klar, dass weder für den Bau noch für den Betrieb Kosten für die Stadt entstehen dürfen.

1866 beginnen die AnlagearbeitenTim_Grossmann_FTKoch.jpg

So bildete sich 1865 das „Comité für die Bewaldung der Bürgerweide“, aus dem später der Bürgerparkverein entstand. In zahlreichen Sitzungen wurde nicht nur die Beschaffung von Geldern, sondern auch die Beauftragung eines Gartenkünstlers beschlossen. Den Zuschlag bekam Wilhelm Benque, der nur ein Jahr später gemeinsam mit 170 Arbeitern begann, auf einem 76 Hektar großen Gebiet – dem sechs Jahre später nochmals 60 Hektar folgen sollten – den Bürgerpark zu erschaffen. „Die Anlagearbeiten dauerten bis 1872“, erzählt Tim Großmann. „Da Benque natürlich nur kleine Bäume pflanzen konnte, hat er sein Werk nie in Vollendung erlebt.“

Dafür gibt es laut dem Parkdirektor jährlich rund zwei Millionen Menschen, die sich an dem Ergebnis erfreuen. „Der Entwurf von Wilhelm Benque war sehr gut, denn es funktioniert selbst nach 150 Jahren noch wunderbar“, sagt Großmann, der besonders die Vielfalt, aber auch die Ruhe im Park hervorhebt. Verschiedene gartenarchitektonische Stile wurden harmonisch in Einklang gebracht: Geometrische Regelmäßigkeiten treffen auf verworrene Natur, sodass sich dem Besucher immer neue Ausblicke und Eindrücke bieten. Wasserläufe und kleine Seen ziehen sich durch den Park und sorgen für eine Auflockerung des Waldes. „Mit unserem Tiergehege, verschiedenen Gastronomien und Spielplätzen ist für jeden etwas dabei“, sagt Großmann. „Unser Leitbild ist aber die ruhige Erholung im Park, weniger die Action – genau das suchen die meisten unserer Besucher bei uns.“

Seit der Gründung selbstfinanziertMarcusbrunnen.jpg

Das ist vielleicht auch ein Grund, warum sich viele Bremer zu Spenden bereiterklären. „Es ist nach wie vor so, dass wir keine Steuergelder von der Stadt bekommen und uns komplett selbst finanzieren – sowohl über Spenden als auch über verschiedene Veranstaltung oder Pachtgelder“, sagt Großmann. „Dieses Konzept ist bei der Größe unseres Parks europaweit einmalig.“ Zwar sei es ein Vorteil, unabhängig von der Stadt agieren zu können, dennoch ist es kein Selbstläufer. „Wir sind zwar nicht in akuter Not, müssen aber schon jedes Jahr kräftig werben, um genug Mittel zu bekommen – und das sind rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr.“

Auch wenn der Entwurf von Wilhelm Benques nicht verändert werden darf, so ist dennoch immer viel zu tun im Bürgerpark – und das wird sich auch nicht so schnell ändern. „Aktuell sind wir dabei, den Marcusbrunnen zu renovieren. Wir hoffen, die Arbeiten im Frühjahr abschließen zu können“, sagt Großmann. Zurzeit findet aber auch ein Generationenwechsel statt: Alte, morsche Bäume müssen gefällt werden, dafür werden neue gepflanzt – dadurch ändert sich das Bild des Parks auch etwas. „2018 wollen wir unser Programm noch um eine Veranstaltung für Kinder ergänzen, in der es um Bildung und Wissenschaft geht. Auch ein neues Parkbuch ist geplant“, verrät Tim Großmann – ergänzt aber: „Es wird nicht wie üblich ein Buch hauptsächlich mit Bildern sein – es beinhaltet auch viele Texte. Aber worum genau es geht, das bleibt eine Überraschung!“ (Autorin: Alena Staffhorst, Fotos: Frank Thomas Koch)