Bausparer aufgepasst

Keine Miete mehr zahlen und in den eigenen vier Wänden alles selbst bestimmen - das klingt verlockend. Die Zinsen sind günstig und einige Kaufpreise sind sogar noch bezahlbar. Als kleiner Baustein einer Finanzierung kann der Bausparvertrag eine gute Möglichkeit bieten. Die Bausparkassen locken mit vielen Versprechungen und bewerben diese „Chance“ möglichst jetzt zu ergreifen. Auch wenn die Zinsen in den nächsten Jahren ansteigen werden, das Modell Bausparen bleibt eine Zinswette auf die Zukunft.

Das für Immobilienfinanzierung zuständige Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Bremen betrachtete im Rahmen seiner Untersuchung „Bausparen - Risse im System“ den Markt der vergangenen 30 Jahre und ergänzte diese um aktuelle Beobachtungen. In der Untersuchung fanden die Marktwächter heraus, dass der Absatz von Bauspardarlehen zurückging. Die Häuslebauer sparen Geld in Bausparverträgen an, lehnen dann das daran geknüpfte Darlehen häufig ab, weil sie es am Markt zu günstigeren Konditionen leihen konnten. Auch die heute angebotenen Tarife sind im Regelfall keine Schnäppchen. Der Darlehenszins bewegt sich in den meisten Tarifen zwischen zwei und vier Prozent. Wenn in sieben bis zehn Jahren eine Zuteilung erfolgt, können die Sparer vor ähnlichen Entscheidungen stehen, wie in der Vergangenheit. Mit einem Unterschied: Die alten Verträge hatten noch einen Guthabenzins von zwei bis drei Prozent, wer heute anspart bekommt dafür meist nur einen Zins „nahe Null“. Schwarz_Hartmut.jpg

Das hat Auswirkungen auf die Geschäfte der Bausparkassen. Sie setzen verstärkt auf das sogenannte außerkollektive Geschäft – beispielsweise Vor- und Zwischenfinanzierungen. Sammelten die Bausparkassen früher über Sparbeiträge Geld für das Kollektiv ein, aus dem die mit den Kunden vereinbarten Zinsen der Sparguthaben ausgezahlt und die Bauspardarlehen finanziert werden, so gewähren die Institute heute häufig Kredite, ohne dass zuvor Geld angespart wurde. Damit entfernen sich die Bausparkassen immer weiter von ihrem eigentlichen kollektiven Geschäft.

Befürchtungen, dass sich auf Grund dieser Geschäftsentwicklung die Zuteilung der Bausparsumme verzögern könnte, scheinen sich nicht zu bestätigen. Obwohl die Bausparkassen keine feste Zusage zum Zuteilungstermin machen dürfen, bietet die Zuteilungsprognose eine gute Orientierung: Die Zuteilungsfristen der Bausparkassen sind seit Jahren stabil. Derzeit beträgt, laut Deutscher Bundesbank, die Gesamtbausparsumme 885 Milliarden Euro.

Bausparen als Baustein für eine geplante Modernisierung oder als Sparanlage mit dem Ziel einer Anschlussfinanzierung für eine geringe Restschuld kann sich aktuell durchaus rechnen. Der Tarif sollte aber so gewählt werden, dass der Sollzins unter zwei Prozent bleibt. Verbraucher, die einen unabhängigen Rat zu ihrer Immobilienfinanzierung benötigen, können sich an die Verbraucherzentrale wenden. (Autor: Hartmut Schwarz, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Bremen)