Keine Abzocke beim Umzug

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Ein Umzug will gut geplant sein – auch um Kostenfallen zu vermeiden.

Bremen. Rund 8,4 Millionen Menschen ziehen pro Jahr in Deutschland laut einer Post-Adress-Studie um. Das sind circa 22 000 Umzüge täglich. In Bremen ziehen durchschnittlich 8,8 Prozent der Einwohner innerhalb eines Jahres in ein neues Zuhause. Damit liegt die Hansestadt im oberen Bereich. Zum Vergleich: In Berlin liegt der Wert bei 5,9 Prozent.

Umzüge, sei es aus privaten oder beruflichen Gründen, sind dabei immer eine Herausforderung. Eine gute Planung und Vorbereitung sind dabei das A und O. Laut Statistik organisieren 74 Prozent den Umzug in Eigenregie. Aber viele setzen inzwischen auf die Hilfe von professionellen Umzugsunternehmen. Insbesondere bei einem Wohnungswechsel mit einem großen Hausstand ist das sinnvoll und entlastet Familie und helfende Freunde. Bei der Auswahl der Firma gilt es laut Verbraucherzentrale einiges zu beachten.

„Umzugsunternehmen agieren oft mit günstigen Fest- und Stundenpreisen. Doch die Realität sieht häufig anders aus“, heißt es seitens der Verbraucherzentrale. Einige Firmen präsentierten beispielsweise die Rechnung, bevor Kisten und Möbel wieder Einzug halten, oder die Umzugskosten fallen vielfach
höher aus als vorher veranschlagt. Grundsätzlich gilt daher, dass man sich vorher bei verschiedenen Speditionsfirmen Angebote einholt und diese vergleicht. Bevor Umzugsunternehmen einen Kostenvoranschlag erstellen, nehmen die Spediteure idealerweise vor Ort die Wohnungsgröße, -lage und das Umzugsgut auf. So kann berechnet werden, wie viel Volumen von einem Ort zum anderen geschafft werden muss.

„Es empfiehlt sich, in Beratungsgesprächen alle Teilleistungen des Umzugs durchzugehen und schriftlich zu fixieren“, so der Rat aus der Verbraucherzentrale. Zudem sollte das Abrechnungsverfahren bestimmt werden. Umzugsunternehmen kalkulieren entweder nach Aufwand und Stunden oder sie bieten einen Festpreis für den gesamten Umzug an.

Für beide Varianten gilt, dass auch wirklich alle Leistungen des Möbelspediteurs schriftlich festgehalten werden: Dazu können das Aufstellen von Halteverbotsschildern vor dem Haus, die Nutzung eines Außenlifts sowie Packmaterial und Montagearbeiten gehören. Wichtig: Neben allen Einzelleistungen sollte im Angebot auch die Mehrwertsteuer enthalten sein.

Vor diesem Hintergrund sollte vorab entschieden werden, in welchem Umfang die
Möbelspeditionen den Umzug übernimmt – also vom Kisten packen bis zur Montage – oder lediglich die Beladung und den Transport. Das ist auch relevant für die Haftung, sollten beim Umzug Schäden entstehen.

Das Unternehmen haftet in der Regel nur für von ihm verursachte Schäden bis höchstens 620 Euro pro Kubikmeter Transportgut (Paragraf 451e Handelsgesetzbuch). Diese Summe können die Verbraucher über eine Vereinbarung mit dem Umzugsunternehmen ausweiten. Die Verbraucherzentrale weist in diesem Kontext zudem darauf hin, dass offensichtliche Schäden – etwa Schrammen am Mobiliar oder zerbrochenes Glas – bis spätestens einen Tag nach dem Umzug gemeldet werden müssen. Äußerlich nicht erkennbare Beschädigungen müssten bis zu 14 Tage nach dem Wohnungswechsel beim Spediteur geltend gemacht werden.

Sensible Seniorenumzüge

Schon für junge Leute stellen Umzüge oft eine Belastung dar. In der Post-Adress-Studie gaben 56 Prozent der Befragten an, dass diese vor allem Stress bedeuten. Und für Senioren sind sie noch einmal eine andere Herausforderung. Sie bedeuten oft eine Verkleinerung des Wohnraums – zum Beispiel in barrierefreie Appartements oder eine Pflegeeinrichtung. Viele liebgewonnene Dinge müssen zurückbleiben, das kann auch eine emotionale Belastung sein. Nicht nur in Bremen haben sich daher Firmen auf Seniorenumzüge spezialisiert und gehen besonders sensibel an solche Aufträge heran.

Wer aus gesundheitlichen Gründen in eine seniorengerechte Wohnung umziehen muss, kann übrigens bei der gesetzlichen Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro für einen Pflegeumzug beziehungsweise Seniorenumzug beantragen. Voraussetzung für den Zuschuss ist zum Beispiel, dass ein Pflegegrad eins bis fünf vorliegt.

(Autorin: Steffi Urban / Foto: Jens Büttner)