Wohnungen für Studenten

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Studierende haben größere Probleme als noch vor einigen Jahren, in Bremen bezahlbaren Wohnraum zu finden. Etwa 70 Prozent beurteilen die Wohnungssuche als schwierig. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer neuen repräsentativen Studie, die vom Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW) und der Universität Bremen durchgeführt wurde. Befragt wurden mehr als 1100 Studierende an Universität und Hochschulen in Bremen und Bremerhaven.

Dass die Wohnungssuche von so vielen als schwierig beurteilt wurde, sei „ein Umstand, der sich mittelfristig auf die Attraktivität Bremens als Studienort auswirken könnte“, sagt Günter Warsewa vom IAW, der einer der Autoren der Studie ist. „Auch Studierende, die schon länger in der Stadt sind, sich also besser auskennen und bei denen man annehmen sollte, dass es für sie einfacher wird, eine Wohnung zu finden, halten die Lage heute für schwieriger als bei ihrem Studienbeginn“, sagt Ivo Mossig, Co-Autor der Studie vom Institut für Geografie an der Bremer Uni.

Die Studierenden, die nicht bei ihrer Familie wohnen, geben demnach in Bremen inzwischen fast die Hälfte ihres Monatsbudgets für Miete aus. Im Vergleich zu 2009/10 stiegen die Ausgaben von Studenten in Bremen für die Warmmiete um 27 Prozent auf im Schnitt über 370 Euro pro Monat. In Bremerhaven wird die Wohnungssuche als einfacher beurteilt, die durchschnittlich gezahlte Miete liegt dort bei gut 300 Euro. Kritik gab es allerdings von einigen am baulichen Zustand von Wohnungen in Bremerhaven.

Wohngemeinschaften bei Studenten weiterhin beliebt

Besonders beliebt ist bei Bremer Studenten weiter die Wohngemeinschaft (WG): Jeder dritte Befragte lebt in einer WG. Auf Platz zwei der häufigsten Wohnformen rangiert inzwischen Wohnen bei Eltern oder Verwandten. Das sei neu, sagt Mossig: Wohnen bei der Familie habe seit 2009 um fünf Prozent zugenommen. Die Autoren interpretieren das als Ausweichreaktion. „Das ist ein Warnzeichen, denn an sich ist Wohnen bei Familienangehörigen eher unbeliebt.“ Jeder Dritte, der bei der Familie lebt, würde lieber anders wohnen. Elf Prozent aller Bremer Studierenden leben in Wohnheimen, so die Autoren. Gewünscht sei das aber nur von wenig mehr Befragten, nämlich von 12,4 Prozent. Den Wünschen nach geurteilt, würden Bremen also nur 300 Wohnheimplätze fehlen, sagt Mossig.

Lange gab es in Bremen im Bundesvergleich wenig Wohnheime. In den vergangenen Jahren nahmen Stadt, Studierendenwerk und private Anbieter den Bau neuer Heime in Angriff. Zuletzt entstand zum Beispiel ein Studentenwohnheim an der Anne-Conway-Straße in Horn-Lehe.

Nun noch weitere Wohnheimplätze zu schaffen, stelle aber eher eine Notlösung dar, urteilen die Autoren der Studie. „Wenn man weiter auf Wohnheime setzen will, braucht es ein Wohnheim 2.0“, stellt Mossig klar. Er plädiert für eine Angebotserweiterung: Sinnvoll sei es, mehr Raum für selbstorganisierte WGs in Wohnheimen anzubieten – Wohngemeinschaften, in denen die Bewohner entscheiden, wer neu einzieht und in denen es mehr unmöblierte Zimmer gebe. Zudem würde insgesamt bezahlbarer Wohnraum benötigt, weil Studierende mit anderen Gruppen mit geringem Einkommen konkurrieren würden, zum Beispiel mit Alleinerziehenden.

Bremer Neustadt ist bei Studenten besonders gefragt

„Auch wir sehen die Wohnsituation für Studierende als entscheidenden Faktor bei der Attraktivität Bremens als Studienort“, sagt Hauke Kieschnick, Geschäftsführer des Bremer Studierendenwerks. Besonders in der Nähe der Hochschule Bremen in der Neustadt würden bezahlbare Wohnplätze benötigt, wie sie nur das Studierendenwerk anbieten könne. Zudem müsse in teilweise veraltete Wohnheime dringend investiert werden. Kieschnick betont, das Studierendenwerk könne nur gut sech Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz anbieten – die neue Studie habe vermutlich auch die teureren Wohnungen in privaten Wohnheimen mitgezählt.

Der bei Studenten beliebteste Stadtteil ist mit Abstand die Neustadt: „Die Neustadt ist klar ganz weit vorne, das Viertel liegt auf Platz zwei, hat aber verloren“, sagt Mossig. „In der Neustadt gibt es eine gute Uni-Anbindung, nahe Einkaufsmöglichkeiten, viele Ausgeh­orte, viel Freiraum und studentische Subkultur, dazu verhältnismäßig günstige Mieten.“ (Autorin: Sara Sundermann / Foto: action press)