So lebt es sich im Altbau

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Große Räume, mit Stuck verzierte, meterhohe Decken und dekorative Schiebetüren – eine Wohnung in einem Altbremer Haus hat ihren Charme. Doch leider hier und da auch ihre altersbedingten Macken. Es gibt Schönheitsfehler, mit denen Mieter rechnen und leben müssen, erklärt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB). Vor allem, wenn diese schon beim Einzug bekannt waren. Denn es gilt: Gemietet wie gesehen. Auf ein paar Dinge sollten Mietinteressenten daher bei der Besichtigung achten und sich fragen, ob sie sich damit arrangieren können.

Im Gegensatz zu einer just fertig gestellten Neubauwohnung, sind die Wände von jahrzehntealten, hohen Altbauwohnungen eher krumm als schnurgerade. Manche Mieter bemerken erst bei ihrem Einzug, wie schräg die Wände sind, dass Fußbodenleisten daher abstehen und sich Regale nur schwerlich anbringen lassen. Das ist allerdings kein Grund zur Beanstandung - solange der Stand der Technik eingehalten wurde, der bei Hausbau galt. Es liegt also kein Mangel vor. Vor allem dann nicht, wenn der Mieter vor dem Umzug von den schiefen Wänden wusste, erläutert Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Von einem alten Dielenfußboden träumen viele. So schön er auch aussieht, er quietscht und knarrt bei jedem Tritt und kann damit vor allem die Nachbarn ganz schön nerven. Wer sich von seinen Nachbarn diesbezüglich gestört fühlt, kann leider nicht viel tun. Wenn die Schallschutz-Standards eingehalten wurden, die während der Errichtung des Gebäudes galten, liegt auch hier kein Mangel vor. Ausnahmen gelten beispielsweise, wenn der Fußboden nachträglich erneuert wurde und bei der Modernisierung die geltenden Richtlinien für Schallschutz nicht beachtet wurden. Jedoch muss nachgewiesen werden, dass der Krach unzumutbar ist, und das kann eine aufwändige und langwierige Sache sein, für die man darüber hinaus auch einen Sachverständigen beauftragen und bezahlen muss.

Gute Chancen auf eine nachträgliche Modernisierung haben Mieter jedoch bei undichten, alten Holzfenstern. Jedenfalls, sofern es tatsächlich hineinregnet und die Fenster nicht nur etwas zugig sind. Die Fenster müssen entweder repariert oder ganz ausgetauscht werden. Mieter sollten aber daran denken, dass jede Modernisierungsmaßnahme in Form von Mieterhöhungen auf sie zurückfallen kann.

Ebenfalls ein Recht auf eine Erneuerung liegt bei veralteten Elektroleitungen vor. Hierfür gibt es einen Mindeststandard für Altbauwohnungen vom Bundesgerichthof. Danach sollten problemlos zwei Elektrogroßgeräte gleichzeitig betrieben werden können (Az:. VIII ZR 281/03). Aber Achtung, eine Ausnahme liegt auch hier vor: nämlich, wenn der Vermieter bei der Besichtigung ausdrücklich darauf hinweist. Entscheidet man sich dennoch für die Altbauwohnung, gilt auch in diesem Fall gemietet wie gesehen. (Autorin: Lena Häfermann / Foto: Jochen Stoss)