Digitale Lösungen in der Bauindustrie

Viele Unternehmen sehen die großen Chancen durch die Digitalisierung. Doch Herausforderungen wie der Fachkräftemangel, fehlende Akzeptanz und Sicherheitsfragen bremsen die Innovationskraft in der Baubranche.

Bremen. Die Bauindustrie hat bisher noch nicht im erhofften Maße von einem Digitalisierungsschub während der Corona-Pandemie profitieren können. Branchenexperten sehen zwar viele Potenziale, zum Beispiel in Lösungen wie dem Cloud Computing, doch die Fähigkeiten in diesen Bereichen hinken den Möglichkeiten weiter deutlich hinterher. Im Vergleich zum Vorjahr ist kaum eine Veränderung festzustellen. Das ergab eine Befragung im Auftrag von PwC Deutschland unter Bauunternehmen, Planern und Projektsteuerern.

„Die Bauindustrie hat die Chancen, die mit dem Einsatz digitaler Technologien wie Laserscanning oder Simulation und Visualisierung verbunden sind, längst erkannt. Überrascht hat mich jedoch, dass die Unternehmen in diesem Punkt nicht vom Fleck kommen“, so die Einschätzung von Christian Elsholz, Partner im Bereich Capital Projects und Infrastructure.

Potenziale digitaler Lösungen

Nur bei zwei von sieben digitalen Lösungen hat es Verbesserungen bei der Diskrepanz zwischen Potanzialen und Fähigkeiten gegeben. Bedeutend angenähert haben sie sich nur im Bereich „Simulation und Visualisierung“: 80 Prozent sehen hier ein hohes Potenzial und 38 Prozent starke eigene Fähigkeiten – die Lücke konnte 2021 im Vergleich zum Vorjahr zumindest um zwölf Prozentpunkte verringert werden. Wenigstens eine kleine Annäherung von einem Prozent gab es bei der „Drohnenüberwachung“.

Dabei bescheinigt fast jeder zweite Teilnehmende (47 Prozent) dem eigenen Unternehmen insgesamt einen hohen Digitalisierungsgrad. In Bezug auf administrative Prozesse wie im Finanz- oder Personalwesen und bezogen auf die Projektprozesse, die zum Beispiel bei der Planung und Kalkulation ablaufen, stellen sogar rund sechs von zehn Unternehmen einen hohen Digitalisierungsgrad fest. Besonders großer Nachholbedarf besteht für die Branche im Bereich von digitalen Lösungen wie Cloud-Technologien: Einen hohen Digitalisierungsgrad attestieren sich hier nur 44 Prozent der Unternehmen, obwohl ganze 81 Prozent ein großes Potenzial sehen. Ähnlich sieht es bei dem Einsatz von Laserscanning aus: 80 Prozent empfinden diese Anwendung als große Chance, aber nur 38 Prozent schreiben sich darin gute Fähigkeiten zu.

Hürden für Bauunternehmen

Als Hemmnisse für den Einsatz der digitalen Technologien werden von den Befragten verschiedene Gründe angegeben. In vier von fünf Unternehmen (81 Prozent) mangelt es nach wie vor an der entsprechenden Expertise der Mitarbeitenden und auch an weiteren benötigten Fachkräften. Außerdem fehlt in 78 Prozent der Unternehmen die interne Akzeptanz für eine erfolgreiche Einführung und bei 76 Prozent stellt die Cyber-Sicherheit eine Hürde dar.

Maßnahmen zur Stärkung

Die Impulse, die Digitalisierung trotz der Herausforderungen weiter voranzutreiben, kommen immer häufiger auch von außerhalb. Insbesondere in den Vergabeverfahren bemerkten die Experten aus der Bauindustrie in 2021 eine Veränderung zum Vorjahr: Eine starke Nachfrage nach digitalen Lösungen beobachteten in der Umfrage 32 statt zuvor zwölf Prozent von ihnen. Der Druck könnte sich noch weiter erhöhen, denn auch das Thema Nachhaltigkeit, zu dem Digitalisierung einen bedeutenden Beitrag leisten kann, wird für die Branche zunehmend wichtiger.

Etwa vier von fünf Befragten (78 Prozent) erhoffen sich von den anstehenden Investitionen in die Digitalisierung eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation. Auch kürzere Projektphasen durch effizientere Arbeitsabläufe (53 Prozent) und eine Kostenreduktion (46 Prozent) werden erwartet. Im Bereich der Planung rechnen sogar 60 Prozent der Befragten mit sinkenden Kosten.

Um dies zu erreichen, seien vor allem Maßnahmen notwendig, um den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranzubringen, sagen neun von zehn Unternehmen. Mehr Optionen zur Aus- und Weiterbildung wünschen sich etwa drei Viertel. Fast genauso viele fordern mehr Anreize von den Auftraggebern zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

(Autorin: Lisa Janzen / Foto: Adobe Stock/Viacheslav Lakobchuk)